PANCHAKARMA | HAUPT-KUR

Die etwa 30-tägige Haupt-Kur besteht aus 5 intensiven Ausleitungsverfahren mit systemischer Wirkung: Magenspülung, Abführtherapie, Darmeinläufe, Intranasaltherapie und Blutreinigung. Diese werden systematisch vorbereitet, konsequent durchgeführt und aufmerksam nachversorgt. Die Therapieauswahl hängt von der individuellen Diagnose ab, mindestens 3 der 5 Verfahren müssen durchgeführt werden.

Vorbereitung, Ausleitung und Nachsorge

Die Haupt-Kur im Pancha Karma setzt sich aus drei Phasen zusammen:

  • Die erste Phase der Vorbereitung Purvakarma dient der Erweichung, Mobilisation und dem Transport der zum Teil jahrzehntelang angesammelten überschüssigen Substanzen sowie deren Rückführung an den Ort ihrer Entstehung, dem Magen-Darm-Trakt. Diese Erweichung wird durch innere Ölung über 3-7 Tage und äußere Ölmassage, die einen mobilisierenden anregenden Charakter hat, bewirkt. Überschüssige Substanzen lassen sich aus einem erweichten, gut geölten Körper leichter eliminieren und richten hierbei keinen Schaden für die angrenzenden Gewebe und Zirkulationsbahnen an (Charaka Samhita, Siddhasthana 6, 11-13). Um die Leitfähigkeit in den Kanälen zu erhöhen und die darin zirkulierenden Substanzen zu verflüssigen, wird im Anschluß an eine Ölung der Patient trocken oder feucht zum Schwitzen gebracht (Svedana Karma). Für Snehana (Ölungen) und Svedana (schweißtreibende Maßnahmen) gibt es eine Reihe von Indikationen und Kontraindikationen, die vom leitenden Ayurveda-Arzt erörtert werden müssen.
  • Die zweite Phase der Ausleitung Pradhanakarma besteht aus fünf grundlegenden Verfahren. Als „Vamana“ wird die emetische Ausleitung zur Reinigung des Magens und Elimination von überschüssigem „Kapha“ bezeichnet. „Virechana“ ist die Abführtherapie zur systemischen Reinigung über die Gedärme und Elimination von „Pitta“. Um über den Dickdarm den Körper von überschüssigem „Vata“ zu befreien und zu harmonisieren, stehen zwei Arten von Darmeinläufen „Basti“ zur Verfügung, es werden im Wechsel medizinierte Öl- und Kräuterdekokteinläufe verabreicht. Alle Erkrankungen oberhalb des Schlüsselbeins, insbesondere schleimige Nasen- bzw. Nebenhöhlenprobleme werden im Ayurveda mit der „Shirovirechana“ Therapie, dem Einführen arzneilicher Öle oder Pulver über die Nase, behandelt. Als fünfte Reinigungsmaßnahme bei "Verunreinigungen" des Blutes und damit meist einhergehenden chronischen Hauterkrankungen wird im Ayurveda „Raktamokshana“, der therapeutische Aderlaß, das blutige Schröpfen oder die Blutegeltherapie durchgeführt.
  • Die dritte Phase der Nachsorge Pashchatkarma dient der Regeneration nach einer Ausleitung - diese wird vorrangig durch langsam gesteigerten Kostaufbau und konsequente Ruhe ohne Tagesschlaf bewirkt. Zur Beruhigung evt. gereizter Funktionen und Strukturen werden besänftigende Shamana Therapien eingesetzt. 

Snehana - innere und äußere Fettung

Vor den beiden ersten großen Ausleitungsverfahren, der Vamana Magenspülung und Virechana Abführtherapie, wird der Körper innerlich in ansteigender Dosierung gefettet und äußerlich geölt.

Die innere Fettung, Snehapana oder Abhyantara Sneha, wird über mindestens drei und höchstens sieben Tage durchgeführt. Zum Einsatz kommen medizinierte Butterreinfette (Ghrta), deren Rezeptur anhand der diagnostischen Ergebnisse ausgewählt werden. Die Gabe erfolgt 1-2x täglich und wird um jeweils 10-15ml gesteigert - Dosierungen sind von der Sensitivität der Gedärme (Koshthi) abhängig. Erst wenn der Patient die Zeichen der korrekt durchgeführten inneren Fettung (Samyak Yoga) aufweist, wird die Einnahme beendet und die Ausleitung vorbereitet.

Die tägliche äußere Ölung, Bahya Sneha, erfolgt durch rhythmische, dynamische Druckmassage (Mardana) des ganzen Körpers, die sogenannte Abhyanga. Als Substanz für die Massage wird mediziniertes Öl (Taila) gemäß Indikation verwendet.

Svedana - schweißtreibende Maßnahmen

Die schweißtreibenden Maßnahmen Svedana erhöhen die Aktivität und Leitfähigkeit in den Zirkulationsbahnen (Srotas) und stellen diese weit. Über die aktivierten Transportwege können nun akkumulierte Substanzen dem Gastrointestinaltrakt zugeführt und anschließend aus ihm hinausbefördert werden.

Zum Einsatz kommen Sitz- oder Liege-Dampfbäder unter Ausschluß des Kopfes und Schutzes der Genitalien sowie des Herzens. Auch trockene Stein- oder moderne Infrarotkabinen können gemäß Indikation sinnvoll angewandt werden.

Svedana wird nicht gleich zu Beginn der inneren Fettung, sondern erst an deren Ende, gestartet. Nachdem diese vollendet ist, wird zur Vorbereitung vor der Magenspülung Vamana noch zweimalig geschwitzt, vor dem Abführen Virechana noch viermalig.

Patientenverhalten in der Vorbereitungsphase

Um die Vorbereitungsphase optimal zu unterstützen, werden nebst gezielter Ernährung zahlreiche Empfehlungen zum Verhalten der Patienten ausgesprochen. Hierzu zählen unter anderem:
» den ganzen Tag über heißes Wasser trinken
» nach der Gheeeinnahme Mungsuppe oder heißes Wasser trinken
» allgemeine Ruhe und Entspannung, jedoch ohne Tagesschlaf, abends früh zu Bett gehen
» kein Sex
» lautes Reden meiden
» keine Reisen oder Ausflüge unternehmen
» keine körperlich anstrengenden Übungen durchführen
» jegliche Kälte, Sonne und Wind meiden
» emotionale Einflüsse reduzieren
» Staub und Rauch vermeiden
» natürliche Bedürfnisse nicht unterdrücken
u.v.m.

Ausleitungsphase

Die Ausleitungen im Panchakarma gliedern sich in fünf Verfahren auf. Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß wir genaue Angaben zur Durchführung der Verfahren aus Verantwortungsbewusstsein nicht auflisten. Die nachfolgenden Therapien müssen von erfahrenen Ayurvedamedizinern geplant, vorbereitet, in der Durchführung begleitet, ausgewertet und individuell nachbehandelt werden. Eine Grundregel besagt, daß niemals mehr als eine Ausleitung am gleichen Tage durchgeführt werden darf.

  1. Vamana Karma – Emesis | Bei der Vorstellung, therapeutisch induziert zu erbrechen, dreht es manchem Leser vielleicht den Magen um. Tatsächlich ist der Begriff Erbrechen unglücklich gewählt, da es sich im Vamana vielmehr um eine intensive Spülung des Magens handelt. Vamana wird in einer Panchakarma Kur nur einmalig durchgeführt.
  2. Virechana Karma – Purgation | Das Abführen findet auch heute noch in der modernen Naturheilkunde seinen Einsatz, bsp. im Rahmen von Fastenkuren mit Glaubersalz. Virechana wird zu Unrecht häufig als "ayurvedische Darmreinigung" bezeichnet - es handelt sich dabei jedoch um eine systemische Reinigung der extrazellulären Matrix und Körperflüssigkeiten über den Darm. Virechana wird in einer Panchakarma Kur nur einmalig durchgeführt, die Anzahl der Impulse (Vega) liegt zwischen 10-30 Ausscheidungen.
  3. Basti Karma – Rektaleinläufe | Ayurvedische Darmeinläufe gliedern sich in pflegende Öl- und reinigende Dekokt-Einläufe. Zur Pflege kommen ausgewählte Fette in geringer Dosierung zum Einsatz, zur Reinigung werden größere Mengen flüssiger Kräuterabkochungen mit anschließender Ausleitung verwendet. Basti werden im Panchakarma als Serie von mindestens 8, evt. auch 16 oder gar 30 Einläufen durchgeführt.
  4. Shirovirechana Karma – Intranasaltherapie | Die Wirkung der Intranasaltherapie durch Einführen arzneilicher Pulver und Öle erstreckt sich auf die Region oberhalb der Schlüsselbeine, insbesondere den Nasenrachenraum und die Nebenhöhlen. Diese Therapie wird im Panchakarma als Serienbehandlung mit meist 3-7 Anwendungen durchgeführt.
  5. Raktamokshana Karma – Blutreinigung | Zur Blutreinigung kommen traditionell der Aderlaß, das blutige Schröpfen und die Blutegeltherapie zum Einsatz. Die Anwendungen sind bezüglich Frequenz und Durchführung stark indikationsorientiert.

Samsarjana Krama - Kostaufbau

Der graduelle Kostaufbau besteht klassisch aus vier Steigerungen der Nahrungszufuhr:
» dünne Reissuppe
» semiflüssige Reissuppe
» Mungbohnensuppe ohne Gewürze
» Mungbohnensuppe mit Gewürzen

Danach wird die Panchakarma-Diät wieder eingesetzt. Inhaltliche Änderungen können gemäß Bedarf vorgenommen werden, müssen aber dem gleichen Aufbauprinzip folgen.

Shamana Chikitsa - besänftigende Therapien

Hierzu zählen innere und äußere Maßnahmen, um die evt. gereizten Schleimhäute zu pflegen, den entleerten Organismus zu kräftigen und die ggf. "blanken Nerven" zu stabilisieren. Beispiele für Anwendungen sind Stirnölgüsse Shirodhara oder Fußmassagen Padabhyanga.